
Am vergangenen Samstag fand im Pfarrheim in Oeventrop eine Veranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Flüchtlingshilfe Oeventrop statt. Monika Kraas und Gerd Stodollick von der Leitung der Flüchtlingshilfe Oeventrop e.V. freuten sich über den zahlreichen Besuch.
Vor rund 10 Jahren wurde in der Schützenhalle in Oeventrop vehement über die Belegung der kleinen Sporthalle als Flüchtlingsunterkunft diskutiert. Noch am gleichen Abend fanden sich schon ca. 30 Helferinnen und Helfer bereit, die Integration der wegen Krieg und Verfolgung zu uns geflüchteten Menschen zu unterstützen. Das dies damals so gut gelang, war auch ein Verdienst von Pfarrer Ernst Thomas.
In seinem Grußwort erzählte Ernst Thomas von der Flucht der heiligen Familie und das Josef gedacht hat -wir schaffen das! Weiter führte Pfarrer Thomas aus:“ Trotz allem Unmut über die Kurzfristigkeit der Belegung der Sporthalle und der mangelhaften Transparenz ist es gelungen, nach vorne zu schauen und wie das bei uns in Oeventrop möglich ist, anzupacken. Es gab ein fünfköpfiges Kernteam und fast 150 Helfer*innen packen in 17 Bereichen z.B. im Empfang, in der Kinderbetreuung, beim Bettenbau, in der Kleiderkammer, in der Fahrradwerkstatt und bei gesundheitlichen Fragen mit an.“ Weiter erinnerte Pfarrer Thomas an die Spende des Erzbistums und der Gemeinde Oeventrop für eine mobile Spielbox, an einen ökumenischen Gottesdienst in der Grundschule Dinschede, bei dem viele Kinder sich Gedanken über die auf Gewalt beruhenden Ursachen von Krieg und Flucht Gedanken machen und auch mit ihrem Herzen sehen. Er erinnerte an den Begegnungsnachmittag bei Kaffee und Kuchen in der Sporthalle, und an die Fahrradwerkstatt, wo unter Anleitung die neuen Mitbürger*innen gespendete Fahrräder reparierten.
Pfarrer Thomas weiter:“ Bis heute zeigen sich viele Oeventroper immer noch bereit, sich für die „neuen“ Oeventroper einzusetzen. Dies gilt auch für die seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges aus diesem Kriegsgebiet geflohenen Menschen. So hat die Flüchtlingshilfe Oeventrop und viele andere hier im Ort auch immer wieder Flagge gezeigt für Demokratie, Toleranz und Respekt. Dabei denke ich an die Mahnwachen für den Frieden, an die Menschenkette durchs Dorf aber auch an den Gottesdienst zum Gedenken an den Angriff auf die Ukraine. In Verbindung mit den Mahnwachen, wo es auch Texte von Grundschulkindern zu hören gab, hat sich die Grundschule Dinschede der Initiative „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ angeschlossen. Voller Dankbarkeit können alle heute auf 10 Jahre zurückblicken, zehn Jahre Einsatz, mit Herzblut und Menschlichkeit. Danke an alle, die gezeigt haben, dass wir in der Lage sind, so viele Menschen willkommen zu heißen und zu integrieren. Danke aber auch an alle Menschen, die zu uns gekommen sind, die uns heute teilhaben lassen und den Nachmittag mitgestalten und wie es in der Einladung für den heutigen Tag steht: Vor zehn Jahren habt ihr Euer neues Zuhause in Oeventrop gefunden. Seitdem haben wir gemeinsam viel erlebt, gelernt und aufgebaut. Diese Feier ist ein Zeichen der Wertschätzung für eure Stärke, Euren Beitrag zum Zusammenleben in Oeventrop.“
Nach dem Grußwort von Ernst Thomas schilderten einige der seit 2015 in Oeventrop lebenden Menschen aus Albanien, Syrien und Afghanistan ihr Ankommen in Deutschland und in Oeventrop. Alle waren für die Aufnahme in Oeventrop dankbar. Besonders eindrucksvoll war die Power-Point-Präsentation von Mariam Al Nemer. Sie schilderte ihre Kindheit in Syrien, sie berichtete über die Bombenangriffe in ihrer Heimat und die Flucht der Familie nach Jordanien. Ihr ist es gelungen, nach nur 6 Jahren in Deutschland das Gymnasium mit dem Abiturzeugnis zu verlassen und jetzt eine Ausbildung zur PTA in Olsberg begonnen zu haben und zwar mit dem Ziel, Pharmazie zu studieren.
Monika Kraas und Gerd Stodollick bedankten sich im Namen der Flüchtlingshilfe für die große Spendenbereitschaft der Oeventroper aber auch aus anderen Gemeinden. Neben Geldspenden waren es auch Sach-, Möbel- und Kleidungsspenden, die geholfen haben, die neuen Mitbürger*innen zu unterstützen.
Zum Abschluss der Veranstaltung überreichten die neuen Mitbürger*innen kleine Geschenke an die ca. 25 anwesenden Helfer*innen der 1. Stunde, die größtenteils auch heute noch aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig sind.
Noch einmal Pfarrer Thomas:“ Wir feiern heut Geschichten vom Überleben, von Neuanfang und von kleinen Schritten in eine neue Zukunft hinein. Zum Schluss wandle ich das Wort der damaligen Kanzlerin ab und sage: Oeventrop ist ein starker Ort. Unser Motiv, mit dem an die Dinge herangingen und weiter herangehen werden, lautet: Wir haben es geschafft und werden es immer weiter schaffen!“

