

Am Freitag morgen wurden vor dem Haus Kirchstraße 41 vier Stolpersteine im Gedenken an jüdische Mitbürgerinnen von dem Künstler Gunter Demnig verlegt. Durch die Stolpersteinverlegung soll an Bertha Simon, Selma Klipstein, Helene Eichenwald und Rosa Rosenthal erinnert werden, die dort wohnten, deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden.
An der Stolpersteinverlegung beteiligten sich ca. 150 Oeventroper*innen, darunter auch zwei 4. Klassen der Grundschule Dinschede. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Oeventrop begrüßte Gunter Demnig und die Anwesenden. Er dankte dem Arbeitskreis Ortsgeschichte Oeventrop, der sich gemeinsam mit Heimatvereinen aus Arnsberg, Hüsten und Neheim für die Stolpersteinverlegung eingesetzt hat und auch umfangreiche Recherchen über die jüdischen Mitbürger*innen in Oeventrop durchgeführt hat. Gerd Stodollick betonte, dass es wichtig sei, die Erinnerungskultur zu bewahren, aus der Geschichte zu lernen und sich dafür einzusetzen, dass sich derartiges nicht wiederholt. Angesichts des zunehmenden Antisemitismus und Rassismus aber auch wegen des zunehmenden Hasses und der zunehmenden Hetze sei es erforderlich, dass alle gemeinsam für unsere Grundwerte, unsere Demokratie und den sozialen Rechtsstaat eintreten.
Ludwig Hoppe vom Arbeitskreis Ortsgeschichte in Oeventrop betonte in seiner Begrüßung, dass die heutige Veranstaltung eine besondere Stunde und zwar eine Geschichtsstunde für die Bürger von Oeventrop sei. Er erinnerte daran, dass vor 88 Jahren, so wie es ein jüdischer Mitbürger schrieb, auch Oeventroper gestande haben und zusahen, was an Unvorstellbaren geschah. Die meisten standen in ihren Häusern am Fenster, versteckt hinter Gardinen. Alle hatten Angst und sagten nichts zu dem verbrecherischen Treiben, dass ein Trupp fanatischer Oeventroper Bürger auf der anderen Straßenseite und an den jüdischen Bewohnern beging. Denken und Sagen waren in jener Zeit gefährlich, wenn es nicht im Sinne der Regierenden war, so Ludwig Hoppe weiter. Ludwig Hoppe sagte dann zum Abschluss, dass wir heute denken und sagen können, was wir wollen.
Im Anschluss sangen die Schülerinnen und Schüler der Grundschule die 1. Strophe des Liedes „ Die Gedanken sind frei“. Danach trugen die Schüler*innen eine kleine Leseszene vor. Eindrucksvoll wurde die Geschichte und das Leben der Familie Simon (zu der die vier Ermordeten gehörten) in Oeventrop geschildert. Dazu gehörte auch die Darstellung der Ereignisse am 8. November 1938, wo eine Gruppe Arbeiter mit Äxten, schweren Hämmern und Knüppel mit sich trugen und Schaufenster und Wohnungen der jüdischen Mitbürger zertrümmerten und Möbel und Kleidung auf die Straße warfen. Viele Leute sahen zu und keiner half. Während der Leseszene hielte zwei Schüler Fotos von dem Haus Kirchstr. 41 in den 30iger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hoch.
Ludwig Hoppe als Erzähler der Leseszene stellte dann dar, dass selbst eine Flucht nach Holland Mitglieder der Familie Simon nicht nutzte, da sie von den Nazis von dort aus in Konzentrationslager deportiert wurden, wo sie dann auch ermordet wurden.
Nach dieser beeindruckenden Leseszene stellte Monika Kraas von der Flüchtlingshilfe Oeventrop ihre Gedanken dazu vor, was jüdische Mitbürger*innen ab 1933 wohl gedacht haben: „In Deutschland bleiben oder im Ausland ein neues Leben beginnen?“
Im Anschluss an den Vortrag von Monika Kraas sangen die Kinder der Grundschule erneut eine Strophe des Liedes „Die Gedanken sind frei“.
Zum Abschluss der Stolpersteinverlegung dankte Ludwig Hoppe den Teilnehmenden und insbesondere den Kindern der Grundschule. Sie hätten gezeigt, dass ihre Schule zu Recht den Namen „Schule gegen Rassismus- Schule mit Courage“ trägt.
Text: Gerd Stodollick
Bilder: privat



