Kommentar zur Bürgerversammlung bzgl. der Umleitungsmöglichkeiten während der Straßensanierung Wunne/Herfweg in Oeventrop am 21.01.2026


Stefan Büenfeld, Bündnis 90 / Die Grünen

Aufgrund der bevorstehenden Sanierung der Straßen Wunne und Herfweg, fand gestern in der Oeventroper Schützenhalle eine Bürgersammlung statt, an der sich ca. 150 interessiere Anwohnerinnen und Anwohner beteiligten. Dass es diese Bürgerversammlung gab, war richtig, diese kam vor allem durch den Druck der Bürgerinnen und Bürger zustande. Es gab Gerüchte über eine Umleitung durch den Wald zwischen Siepen und Herfweg und vor Ort wurden zudem erste Maßnahmen beobachtet. Die Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Siepen waren verunsichert schrieben einen Brief an den Bürgermeister. Aus der Dickert kam zusätzlich ein Bürgerantrag einiger Anwohner. So kam es, dass mit Unterstützung der Oeventroper Politik erreicht wurde, dass es keine bloße Information per Schreiben, sondern eine Bürgerversammlung geben wird.

Vorgestellt wurden drei Varianten. Variante 1 – über den Fußweg zwischen Müllersberg und Glösinger Feld – wurde von der Stadt wegen der beengten Verhältnisse und fehlender Fußgänger-Alternativen als ungeeignet eingestuft. Das ist nachvollziehbar.

Variante 2 – die Umleitung über Filscheid und Dickert – ist eine bereits erprobte Strecke aus den frühen 2000er Jahren. Der vorhandene Weg könnte grundsätzlich im Ampelbetrieb genutzt werden, auch wenn lange Ampelphasen nötig wären. Offene Fragen gibt es: Teile des Weges gehören nicht der Stadt, zudem könnten Genehmigungen von Umweltbehörden erforderlich sein. Gleichzeitig liegt hier eine echte Chance: Wenn die Flächen geregelt und in das Wegeverzeichnis aufgenommen werden, verbessert das langfristig die Versorgungssicherheit und die Unterhaltung. Weiter wird die Strecke bereits heute als Umleitungsstrecke für große LKW geduldet (die Wunne ist nur noch bis 7,5t befahrbar) und von der Müllabfuhr regelmäßig genutzt.

Variante 3 – eine provisorische Straße zwischen Siepen und Herfweg – ist dagegen kein „Nutzen einer vorhandenen Strecke“, sondern ein Ausbau eines schmalen, einfachen Forstwegs durch den Wald, mit sehr starker Steigung und im Bereich einer ehemaligen Müllkippe. Genau hier liegen massive Risiken: Anwohner berichten, dass bereits erfolgte Probebohrungen nicht dort erfolgt seien, wo damals tatsächlich abgelagert wurde. Das erhöht die Gefahr, dass die Maßnahme technisch und finanziell eskaliert – mit unabsehbaren Folgekosten. Hinzu kommt: Ein Rückbau ist nicht vorgesehen. Damit würde aus einer „provisorischen“ Lösung faktisch eine dauerhafte, deutliche Beeinträchtigung des Naherholungsgebiets. Der Panoramaweg verliert seinen Erholungscharakter, das Arboretum in direkter Nachbarschaft an Wert und Attraktivität. Auch das Thema Starkregen und Wasserabfluss wurde aus meiner Sicht nicht überzeugend beantwortet.

Der Gesamteindruck der Veranstaltung war leider ernüchternd: Zwar wurden Alternativen präsentiert, aber der Fokus der Stadt lag erkennbar auf Variante 3. Bedenken und Vorschläge aus dem Publikum wurden eher wegdiskutiert als ernsthaft geprüft. Als Hauptargument wurde immer wieder „Wirtschaftlichkeit“ genannt – gleichzeitig konnte die Verwaltung keine belastbare, vergleichbare Kostenkalkulation vorlegen. Eine genannte Zahl von 150.000 Euro wirkt angesichts Neubaus im Wald, Steigung, Entwässerung und möglicher Altlasten von vornherein zu niedrig – zumal Rückbau und Risikorückstellungen offenbar gar nicht berücksichtigt sind. Wenn aber Risiken nicht eingepreist werden, ist „wirtschaftlich“ am Ende oft nur ein anderes Wort für „unterschätzt“. Ich möchte hier auch an die Erfahrungen im Rahmen der Rathaussanierung erinnern, bei der die Altlastgefahr tatsächlich eingetreten ist und erhebliche Mehrkosten für die Steuerzahler verursacht hat.

Besonders irritierend ist zudem, dass offenbar bereits eine Genehmigung von Wald und Forst für die Siepen-Variante vorliegt. Das passt nicht zu einem offenen Abwägungsprozess und verstärkt den Eindruck, dass eine vorgefasste Entscheidung nachträglich legitimiert werden soll. Bürgernähe sieht anders aus.

Für uns als Bündnis 90 / Die Grünen ist deshalb klar: Wir werden im kommenden Bezirksausschuss Variante 3 in dieser Form klar ablehnen.

Darüber hinaus fordern wir – falls die Stadt trotz der Risiken weiter an dieser Trasse festhalten will – verbindlich weitere Probebohrungen im tatsächlich relevanten Bereich: vor Beginn der Baumaßnahme und begleitend während der Arbeiten, um Überraschungen durch Altlasten frühzeitig zu erkennen und Schäden sowie Kostenexplosionen zu verhindern. Alles andere wäre unverantwortlich – gegenüber den Anwohnerinnen und Anwohnern, gegenüber Natur und Erholungsraum und letztlich auch gegenüber dem städtischen Haushalt.

Jetzt braucht es eine ehrliche Neubewertung: transparente Kosten, realistische Risikobetrachtung und eine echte Prüfung der Alternative über Dickert/Filscheid. Nur so entsteht am Ende eine Lösung, die nicht nur „schnell“ wirkt, sondern tragfähig ist – und von den Menschen vor Ort mitgetragen werden kann.