
Bewegender Moment beim Einbau in die neue Dinscheder Brücke
Es war ein Moment, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf besondere Weise miteinander verband. Am Donnerstagmittag wurden in der neuen Dinscheder Brücke zwei Zeitkapseln eingemauert – gefüllt mit zahlreichen Dokumenten, Broschüren, Urkunden und Erinnerungen aus Oeventrop. Sie sollen eines Tages den Menschen der Zukunft erzählen, wie das Dorf im Jahr 2026 lebte, welche Geschichte es geprägt hat und welch bedeutendes Bauprojekt mit dem Neubau der Brücke verbunden war.
Zu dieser besonderen Feierstunde konnte Bezirksausschussvorsitzender Gerd Stodollick gegen 12 Uhr Bürgermeister Ralf Paul Bittner, den Bauleiter des Landesbetriebs Straßen.NRW Peter Asshoff, Ortsheimatpflegerin Laura Kossmann, Mitglieder des Bezirksausschusses, interessierte Bürger sowie Vertreter der örtlichen Presse begrüßen.

Mit sichtbarer Freude, aber auch einer gewissen Ehrfurcht vor diesem einmaligen Anlass, stellte Gerd Stodollick den Inhalt der beiden Zeitkapseln vor. Dabei erinnerte er besonders an den leider bereits verstorbenen Ortsheimatpfleger Willi Linn. Mit unermüdlichem Engagement und großer Liebe zur Oeventroper Geschichte hatte dieser über viele Jahre hinweg die meisten der nun eingemauerten Unterlagen zusammengetragen. Sein Wirken lebt mit diesen Zeitdokumenten weiter und wird noch viele Jahrzehnte überdauern. Ebenso dankte Stodollick dessen Nachfolgerin Laura Kossmann, die die ortsgeschichtliche Arbeit engagiert fortführt.
Die erste Zeitkapsel dokumentiert eindrucksvoll den Wandel der Dinscheder Brücke und zugleich die Entwicklung Oeventrops. Neben den Urkunden der Brücke von 1933, der Sanierung im Jahr 1997 und des Neubaus von 2022 bis 2026 enthält sie historische Münzen im Wert von 8,78 D-Mark sowie vier Euro, die Geschichte der Oeventroper Brücken, eine Urkunde der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Oeventrop aus dem Jahr 2024 sowie zahlreiche Broschüren des Arbeitskreises Ortsgeschichte. Ergänzt wird der Inhalt durch Veröffentlichungen über das Missionshaus der Herz-Jesu-Missionare, das Haus Dicke, die Eisbar und das Café Krewitt, die Geschichte der Grundschule Dinschede sowie zahlreiche Presseberichte und Dokumentationen über Planung, Abriss und Neubau der Brücke.

Die zweite Zeitkapsel widmet sich vollständig der Geschichte des Dorfes. Sie enthält Bücher und Broschüren des Arbeitskreises Ortsgeschichte über den Oeventroper Geschichtspfad, die Kneipenkultur, den Panoramaweg oder den Riesen Hün. Hinzu kommen Veröffentlichungen des Sauerländer Gebirgsvereins Oeventrop, historische Schriften wie „Die Ruhrdörfer“ von Carl Kessemeier, Auszüge aus den „Arnsberger Geschichten“, Dokumentationen der Thankgrim-Gesellschaft sowie Unterlagen zu den traditionellen Schnadegängen durch die verschiedenen Ortsteile.
Nachdem Gerd Stodollick die beeindruckende Sammlung vorgestellt hatte, ergriff Bürgermeister Ralf Paul Bittner schmunzelnd das Wort. Viel hinzufügen könne er eigentlich nicht mehr, bemerkte er augenzwinkernd, denn der Bezirksausschussvorsitzende habe bereits alles Wissenswerte ausführlich erläutert.
Für einen besonderen Augenblick sorgte anschließend eine Frage an Bauleiter Peter Asshoff: Wie lange werde die neue Brücke wohl Bestand haben?
„Mindestens 50 Jahre“, antwortete dieser mit Überzeugung.
Ein Satz, der die Anwesenden für einen Moment innehalten ließ. Denn wenn die beiden Zeitkapseln eines Tages wieder ans Tageslicht kommen, wird vermutlich niemand der heutigen Teilnehmer mehr dabei sein.
Umso größer dürfte dann die Neugier der Menschen sein, die diese Dokumente öffnen und entdecken werden.
Sie werden erfahren, wie Oeventrop im Jahr 2026 aussah, welche Menschen das Dorf prägten und wie viel Herzblut in die Bewahrung seiner Geschichte investiert wurde.

Im Anschluss setzten Bürgermeister Ralf Paul Bittner und Bauleiter Peter Asshoff gemeinsam die beiden Zeitkapseln in die dafür vorgesehenen Öffnungen der neuen Brücke ein. Zwei Mitarbeiter der ausführenden Baufirma verschlossen sie anschließend sorgfältig und mauerten sie dauerhaft ein.

Mit dem Einbau der Zeitkapseln endet ein weiterer Abschnitt des Brückenneubaus – zugleich beginnt aber auch eine Reise durch die Zeit. Tief verborgen im Inneren der neuen Dinscheder Brücke ruhen nun unzählige Geschichten, Erinnerungen und Zeugnisse eines lebendigen Dorfes. Sie warten darauf, vielleicht in einem halben Jahrhundert wiederentdeckt zu werden – als kostbarer Schatz für eine Generation, die heute noch gar nicht geboren ist.
Text und Fotos: Ronald Frank
